Der Senftenberger Markt, Blick zum Kirchplatz
Der Senftenberger Markt, Blick zum Kirchplatz

Senftenberg im Herbst 2015



Nach Monaten bin ich wieder in Senftenberg. Diesmal bin ich mit dem Zug gekommen. Der Bahnhof ist unwirtlich wie schon im vergangenen Jahr, die in der Zeitung gelobten Malereien an den Wänden machen ihn nicht schöner. Sie heben die Hässlichkeit des Gebäudes eher noch hevor. Ich laufe die Bahnhofstraße entlang zum Zentrum, zur PENSION MANDY, meinem Zuhause für drei Nächte. Von hier kann ich alles bequem zu Fuß erreichen, auch das Kreisarchiv, wo ich Akten aus meinem Heimatdorf Großkoschen ansehen will.

Am ersten Abend treffe ich mich mit einer Freundin in der HUBERTUSKLAUSE am Markt. In der Stadt ist  pünktlich mit dem 18-Uhr-Geläut von St. Peter und Paul still geworden. Unsere Begegnung ist kurz, denn wir werden schon nach einer Stunde aus der Gaststätte hinauskomplimentiert. Der Chef habe gesagt, so die Bedienung, sie solle schließen, falls am Abend nichts los sei. Sie ändert ihre Meinung auch nicht, als weitere Gäste kommen. Sie schickt sie weg. - Gastunfreundliches Senftenberg, denke ich, das ist einer Stadt, die auch vom Tourismus leben will, unwürdig.

Wir ziehen noch ein Weilchen durch die Straßen und erinnern uns, was in den  Läden war, als wir hier zur Schule gingen. Wir sprechen auch darüber, dass die Stadtverwaltung nun den MUSEUMSHOF GROSSKOSCHEN und das PLANETARIUM verkauft habe. Wären beides nicht auch Orte, die die Stadt attraktiv machen könnten? Aber wenn sich fast alles ums Geld dreht, dann bleiben solche Einrichtungen auf der Strecke.

Am nächsten Tag sitze ich im Landratsamt, im Keller von Haus 2, im Kreisarchiv. Die Archivarin Sandra Neisler hat Stapel von Akten für mich herbeigeschafft. Ich entdecke darin mein Heimatdorf Großkoschen neu. Am zweiten Tag verlasse ich das Archiv mit einem Stapel Kopien und vielen Notizzetteln in der Tasche. Eine  Grundlage für Kapitel II meines neuen Buches, in dem ich über meine Kindheit in Großkoschen schreibe.

Zurück nehme ich den Weg durch den Stadtpark. Als ich hier noch zur Schule ging, nahm ich dieses Stück Stadt als etwas Selbstverständliches. Dabei ist er ein wunderbarer Ort voller Ein- und Ausblicke. Ich konnte nicht anders und griff zum Fotoapparat (s. a. unter Impressionen aus dem Stadtpark).

In der Kreuzstraße kehre ich wieder im CAFE KREUZTOR ein. Dort gibt es gute Bockwurst mit gutem Kartoffelsalat. In dem Cafe sitzen immer Leute. Dabei sind ja die Senftenberger eigentlich gar keine rechten "Kneipengänger". Was macht das Besondere dieses Ortes für sie aus, zumal die Bedienung langsam ist und Schwierigkeiten hat, sich die Bestellung zu merken?

Der Mark ist indessen zum Parkplatz geworden. Die Autos in der "guten Stube von Senftenberg" stehen dem Stadtzentrum nicht gut zu Gesicht. Aber hier hat die Stadtverwaltung wohl dem Druck der Geschäftsleute in der Innenstadt nachgegeben, die sich so mehr Kundschaft erhoffen.

 

 

 

 

Der Markt als Parkplatz